Zweitmarkt für geschlossene Fonds enttäuscht

Die Anteile an geschlossenen Fonds sind anders als zum Beispiel Aktien oder andere Wertpapiere, die an einer Börse notiert sind, nicht frei handelbar. Dies ist schon durch ihre juristische Konzeption bedingt, denn mit einer Beteiligung an einem geschlossenen Immobilien-, Solar- oder Schiffsfonds wird man zum Kommanditisten, also zum Mitunternehmer. So bindet man das angelegte Kapital in der Regel für einen langen Zeitraum von zehn bis teilweise über zwanzig Jahre an den Fonds. Wenn es dann unerwartet dennoch erforderlich wird, früher aus dem geschlossenen Fonds auszusteigen, ist es für Anleger sehr schwierig, ihre Anteile an den Fonds zurück zu geben. Selbst wenn die Organisatoren des Fonds die Kommanditanteile zurück kaufen, ist mit immensen Verlusten zu rechnen. Aus diesem Grunde wurden Handelsplattformen für Fondsanteile geschaffen, die bekanntesten dürften dabei die Deutsche Zweitmarkt AG sowie die Fondsbörse Deutschland sein, die von den Börsen München, Hamburg und Hannover gemeinsam organisiert wird.

Doch leider kann der Zweitmarkthandel die in ihn gesetzten Erwartungen bislang nicht erfüllen. So warnte der Anlageexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, davor, sich große Hoffnungen zu machen, Anteile an geschlossenen Fonds auf diesen Handelsplattformen zu akzeptablen Preisen verkaufen zu können. Dafür ist schon das gehandelte Volumen viel zu gering: Die Deutsche Zweitmarkt AG hat in einer jüngst veröffentlichten Untersuchung festgestellt, dass von Januar bis einschließlich Oktober 2011 an allen deutschen Zweitmarkt Handelsplätzen nur Anteile mit einem Nominalwert von 190 Millionen Euro (gerade einmal 0,1 % der in den letzten Jahren verkauften geschlossenen Fonds) umgesetzt wurden. Wenn sich am Zweitmarkt überhaupt Käufer für Fondsanteile finden, sind sie meist nur bereit, Anteile zu übernehmen, wenn ihnen hohe Abschläge auf den Preis eingeräumt werden. In der oben zitierten Studie wird festgestellt, dass zum Beispiele Anteile an geschlossenen Schiffsfonds im Durchschnitt für nur rund 49 Prozent ihres Nominalwertes den Besitzer wechseln. Die hohen Risikoabschläge sind unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass aufgrund fehlender Berichtspflicht wenig über die tatsächliche wirtschaftliche Lage eines Fonds bekannt ist, so dass die Erwerber von Anteilen an geschlossenen Fonds hohe Risikoaufschläge einkalkulieren müssen.

Angesichts der Schwierigkeiten beim Verkauf von Anteilen an geschlossenen Fonds kann jedem privaten Investor nur geraten werden, sich ein Engagement in derartigen Fonds gründlich zu überlegen.

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